„Alles ist möglich, wenn man es will“

 

RHEINE. 20 Absolventinnen und Absolventen der Abendrealschule Rheine (ARS) erhielten ihre Abschlusszeugnisse. Die stellvertretende Bürgermeisterin Birgitt Overesch, die selbst das Abitur im zweiten Bildungsgang gemacht hat, lobte in ihrer Rede auf der Abschlussfeier das Durchhaltevermögen der jungen Menschen. Viele von ihnen haben ihre Schulzeit mit Maske, Abstand und Online-Unterricht verbracht – „und trotzdem bewiesen, dass alles möglich ist, wenn man es nur will“.

Die Abschlussfeier fand erstmals seit Beginn der Pandemie wieder ohne Einschränkungen statt und endete bei strahlendem Sonnenschein mit dem traditionellen Sommerfest auf dem Schulhof. „Einige Abschlusssemester vor Ihnen werden Sie beneiden“, sagte die Schulleiterin Christiane Beckmann-Veerkamp, „Sie haben das große Glück, in der Gemeinschaft Ihrer Familien und Freunde diesen besonderen Moment in Ihrem Leben feiern zu dürfen.“

Trotz Pandemie, trotz Ungleichheit im Zugang zu digitalen Medien, trotz einzelner privater Probleme, die das Lernen und das Zur-Schule-Gehen erschwerten, haben diese jungen Erwachsenen ihren Weg an der ARS erfolgreich beendet, stellte sie fest. „Sie verdienen unsere Hochachtung, wir sind stolz auf Sie“, ergänzte die Leiterin.

Eine von ihnen ist Alina Görtz, die den besten Abschluss von allen geschafft hat. Die 21-Jährige war zuerst an einem Gymnasium, das sie nach schlechter werdenden Noten abbrach. Zwei Jahre arbeitete sie im Niedriglohnsektor. Im „großartigen Umfeld“ der Abendrealschule entdeckte sie den Spaß am Lernen wieder und merkte, wie wichtig Bildung ist. Sie möchte jetzt noch das Abi machen und träumt von einem Studium.

Ihre Klassenkameradin Karina Al Mutlak erreichte auch nicht im ersten Anlauf einen Schulabschluss. Der 23-jährigen mit syrischem Vater und ukrainischer Mutter hatte der Krieg diese Pläne zunichte gemacht. Gezeichnet durch die Flucht, verlor sie aber die Motivation nicht, lernte die neue Sprache, sammelte ihre Kräfte und schaffte es. Aber nicht nur das. Da sie auch Ukrainisch spricht, hat sie sich für die Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine engagiert, die gerade ihre ersten Schritte an der ARS machen. „Ich habe das Gleiche in Syrien erlebt und weiß, wie schrecklich es ist, vor dem Krieg zu fliehen und alles von vorne machen zu müssen.

Die Abendrealschule Rheine versteht sich als Schule der zweiten Chance. Junge Menschen mit oder ohne Hauptschulabschluss können hier ihre Leistungen verbessern. Diesmal haben es 20 Personen geschafft, sechs davon mit Qualifikation.

Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 29.06.2022, © Altmeppen Verlag GmbH & Co. KG ,
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