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Kooperationsprojekt am Waldhügel zur Naturverjüngung

Kooperationsprojekt am Waldhügel zur Naturverjüngung

Wachsen unter großem Stress

 
 

RHEINE. Ein Sommer kann alles verändern. Dieser Schicksalssommer für viele Buchen in der Region waren der Sommer 2018 und teilweise auch der Folgesommer 2019. Die große und lang anhaltende Trockenheit vor mehr als fünf Jahren wirkt bis heute nach. „Wir sehen die Folgen der Dürrephasen noch immer. Die Wasserleitfähigkeit bei vielen Buchen ist nicht mehr gegeben. Die Buchen können sich auch nicht mehr regenerieren. Der Fluss ist einfach gestört, denn genug Wasser hatten wir seitdem“, erklärt Förster und Revierleiter Maik Hoesmann, zuständig für das Regionalforstamt Rheine-Hörstel beim Landesforstbetrieb Wald und Holz NRW. Er benutzt das Bild einer Vene oder eines Strohhalms, der sich einst zusammenzog und jetzt kaum noch Durchfluss erlaubt.

Und deshalb haben der Landesverband, der Förderverein Waldhügel und die Stadt Rheine ein Projekt auf den Weg geschickt, das Hoesmann gar als „Vorzeigeprojekt“ anpreist. In seinem Revier sei es die erste Fläche „mit diesem Ausmaß und mit dieser Überlegung“. In der Forstbetriebsgemeinschaft habe das Projekt „Wellen geschlagen“ und sei mit großem Interesse aufgenommen worden.

Konkret geht es um fast ein viertel Hektar Land, rund 2.000 Quadratmeter mit Altbuchenbestand, die nun umschlossen sind von einem Hordengatter aus Holz. Mit diesem soll geschützt werden, was auf dieser Fläche wächst bzw. wachsen soll. Und das sind neben der Buche Bergahorn, Birke und Esche. „Es ist der Versuch eines natürlichen Prozesses zur Naturverjüngung“, führt Hoesmann fort.

Ob es am Ende zum Erfolg führt, das wissen die Beteiligten nicht. Der Förster spricht vom „Blick in die Glaskugel“, allerdings: „Es ist die Hoffnung, dass sich hier etwas etabliert.“ Der Vorteil: Alles, was auf der Fläche wachse, werde schon im Jugendwachstum im Trockenstress groß, soll sich schon als junger Baum daran gewöhnen. Eine Bewässerung wird es nicht geben.

Vor zwei Jahren standen Förster, Förderverein und Stadt vor der Fläche und fragten sich, was mit ihr beim Blick auf das „Leiden“ der Buchen passieren sollte. Mehrere Treffen gab es, bevor im vergangenen Sommer mit den konkreten Planungen begonnen wurde. Teilweise gibt es bereits junge Bäume auf der Fläche, die Beteiligten hoffen zudem auf die natürliche Ansamung. „Im Sterbeprozess blüht die Buche noch einmal sehr stark. Wie die Mast am Ende ausfällt, das steht auf einem anderen Blatt“, sagt Hoesmann.

Der Förster setzt auf den Faktor Zeit, will nichts überstürzen. „Wir sind zu schnell geworden. Es soll immer alles sofort fertig werden. Aber die Natur zeigt uns das Gegenteil. Es kann vier, fünf Jahre brauchen, bis sich eine neue Generation entwickelt hat.“ Und Hoesmann setzt diesen Zeitrahmen auch in Kontext. „Was sind fünf Jahre bei den circa 150 Jahre alten Buchen, die hier stehen?“

Die Beteiligten wollen der Natur genau diese Zeit geben. „Unser Ziel ist es, die Fläche vier Jahre lang komplett der Natur zu überlassen, um zu gucken, wie sich es sich entwickelt. Dann wollen wir die Lage neu beurteilen“, sagt Reinhard Hundrup, Vorsitzender des Fördervereins Waldhügel. Bereits im März wurde das Gatter mit einer Umlauffläche von 220 Metern aufgestellt, es soll das Wild von der Fläche fernhalten. „Ohne Schutz geht es nicht. Bei der Wilddichte haben wir keine Chance für die Verjüngungsmaßnahme“, weiß Hoesmann.

Jetzt trafen sich Bürgermeister Peter Lüttmann, Bernhard Leugers, zuständig bei der Stadt Rheine für städtischen Waldflächen, sowie Hoesmann und Hundrup, um über das Projekt zu informieren und Hinweistafeln am Gatter anzubringen. Die Eingrenzung per Gatter wurde auch deshalb gewählt, damit die Bevölkerung den Prozess sehen und begleiten kann.

Nun heißt es abwarten und hoffen, dass die Bäume auf der Fläche aussamen und sich wie gewünscht entwickeln. „Ein Erfolg wird das Projekt, wenn sich hier auf der Fläche eine Verjüngung einstellt“, sagt Hoesmann. Dann habe man ein stresstolerantes Waldökosystem. „Es kann sein, dass wir den Bergahorn irgendwann zurückdrängen müssen.“ Die Art ist nicht heimisch, könnte sich also als invasiv zeigen. Für die anderen Baumarten sei die Fläche dagegen als Edellaubholzstandort „perfekt geeignet“.

Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 05.07.2025, © Altmeppen Verlag GmbH & Co. KG ,
alle Rechte vorbehalten.

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