Das Ende des Gebäude-Puzzles
RHEINE. Schulleiter Benedikt Karrasch hatte aus dem heimischen Werkzeugkeller extra einen Hammer mitgebracht. Eine Schlagbohrmaschine wäre aber wohl sinnvoller gewesen. Denn wo früher die Handwerker zum Richtfest den letzten Nagel ins hölzerne Gebälk hämmerten, herrscht heute oftmals nur noch Beton. So ist das auch am Berufskolleg an der Sprickmannstraße. Dort wurde am Freitagnachmittag nach nur einem knappen Jahr Bauzeit das Richtfest des Ersatzneubaus gefeiert – dann eben ohne Hammer.
31,5 Millionen Euro investiert der Kreis Steinfurt hier in einen Neubau, in dem Bildungsgänge des Berufschul-Campus zentralisiert werden sollen. Die vielen Gäste konnten sich bei einem Rundgang schon ein Bild davon machen: Das wird nicht nur einfach ein Schulgebäude, langer Flur, Klassen links und rechts. Im „Ersatzneubau“ des Berufskollegs soll berufliche Bildung künftig sichtbar gemacht werden. Schon in der Eingangshalle werden die Gewerke der Schule sichtbar. „Sie kommen da rein und denken: Das ist eine Shopping-Mall“, hatte Schulleiter Karrasch beim ersten Spatenstich Ende Mai 2025 gesagt.
Karrasch erinnerte an Verzögerungen, die sich im Rahmen der Erdarbeiten und durch Asbestfunde ergaben. „Der Beton-Systembau ermöglicht große Baufortschritte in relativ kurzer Zeit und lässt bereits jetzt sichtbar werden, wie denn die neuen Räumlichkeiten des 7.500 Quadratmeter umfassenden Schulgebäudes aussehen und auch genutzt werden können.“
Die Architektur des Gebäudes richtet sich nach dem modernen Bildungs-Konzept, das die Schulgemeinschaft im Vorfeld für ihr neues Gebäude erarbeitet hatte. Dabei scharen sich die Klassenräume um eine gemeinsame Mitte in ihrem Fachbereich. Dort können Lerngruppen auch interdisziplinär zusammenkommen – der Schulgemeinschaft steht ein ganz anderes Lernen und Lehren bevor. Kreisbaudirektor Carsten Rehers sprach daher auch von einer „modernen und zukunftsfähigen Bildungseinrichtung, die den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird“.
Rehers als Vertreter des Bauherren lobte – wie es sich für ein Richtfest gehört – die Zusammenarbeit mit dem Generalunternehmer Goldbeck Nord (Bielefeld), der viele regionale Handwerker eingebunden habe. Nach Fertigstellung des Rohbaus seien die Ausbauarbeiten bereits in vollem Gang, Rohinstallationen und Trockenbauarbeiten würden derzeit umgesetzt. Parallel dazu laufen die Fassaden- und Dacharbeiten. Die Bauübergabe solle Anfang 2027 erfolgen. Wenn das Kreisschulamt das neue Gebäude dann mit Möbeln ausgestattet hat, kann das Berufskolleg einziehen.
Mit der Fertigstellung des neuen Gebäudes endet für das Berufskolleg des Kreises Steinfurt ein jahrzehntelanges Gebäude-Puzzle. 1954 begann die wechselhafte Geschichte des Berufsschul-Campus mit dem Bau der Berufsschule. Das Wachstum des Campus‘ mit der Kaufmännischen Schule in der Nachbarschaft führte dazu, dass das Berufskolleg zum Schluss in sechs verschiedenen Gebäuden untergebracht war. An der Ecke Dutumer Straße / Sprickmannstraße steht nun der neue „Meilenstein“ für die berufliche Ausbildung im Kreis.
„Der Neubau ist ein Bekenntnis zu einer fundierten Ausbildung, die junge Menschen auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet und gleichzeitig Raum für Kreativität, Innovation und persönliche Entwicklung schafft“, sagte Kreisbaudirektor Carsten Rehers vor den Gästen des Richtfestes. Einen Hammer hatte er nicht dabei.
Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 18.04.2026, © Altmeppen Verlag GmbH & Co. KG ,
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