Theaterprojekt mit sieben jungen Flüchtlingen im Begegnungszentrum
RHEINE. Im großen Saal der Begegnungsstätte „Mitte 51“ reckten sich am späten Freitagnachmittag viele Nasen nach oben. Wonach duftet Weihnachten? Das war eine der Fragen, die im Mittelpunkt eines Theaterstücks standen, das sieben junge Flüchtlinge unter der Regie von Konrad Haller auf die Bühne brachten. Sie spielten ihre Rollen so gut, dass das Publikum unwillkürlich mitschnupperte. Die abwechslungsreiche Inszenierung beleuchtete Traditionen und Rituale, das Weihnachtswunder und das Wundern über Weihnachten. Es ging ums Schenken, um Gerüche und Erinnerungen. Am Ende gab es Standing Ovations für die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler.
Damit war auf jeden Fall der Beweis erbracht, wie erfolgreich die Zusammenarbeit von talentierten Jugendlichen aus sieben unterschiedlichen Kulturen sein kann. Das Theaterprojekt „Weihnachten mal anders“ begeisterte die vielen Zuschauenden und versetzten sie in eine ganz eigene Perspektive auf die Adventszeit.
Die Antworten auf die Frage nach dem Duft von Weihnachten waren natürlich unterschiedlich. Jede Kultur hat eigene Rituale, eigene Gewohnheiten, eigene Speisen auf dem Tisch. „Also, bei uns …“, begannen viele der Erzählungen, die die jungen Darsteller lieferten. Schmeckt Weihnachten nach Keksen – oder eher nach Suppe? Spielerisch und nachdenklich näherte sich das Ensemble diesen Fragen und erzählte dabei von unterschiedlichen Erfahrungen und Gemeinsamkeiten der Beteiligten.
Die Bereitschaft, daraus etwas Neues und Gemeinsames in einer neuen Heimat zu erschaffen, war eine der Botschaften des Stücks. Dank des eingespielten Miteinanders, das diese Gruppe von jungen Theatermenschen im Probenprozess gefunden und erlebt hatten, nahm man ihnen diese Botschaft auch ab. „Wir halten uns gegenseitig“, kündigten sie an.
Initiiert worden war das Projekt vom Fachbereich Schulen, Soziales, Migration und Integration der Stadt Rheine in Kooperation mit der Stadtkultur Rheine und der Jugendkunstschule Rheine. Dank der Förderung durch das Land NRW konnte für die professionelle Regie Konrad Haller vom Kleinen Bühnenboden in Münster gewonnen werden. Er hatte das kleine Theaterstück mit den jungen Darstellerinnen und Darstellern entwickelt. Seit September war im Begegnungszentrum Mitte 51 an der Mittelstraße geprobt und an Texten, Szenen und Ideen gearbeitet worden.
Konrad Haller war es auch, der nach der Aufführung seiner Truppe auf besondere Weise dankte. Er überreichte allen Beteiligten schriftliche Zeugnisse, die sie zu „zertifizierten Bühnenschauspielern“ machten. Das Publikum freute sich über einen gleichermaßen humorvollen wie berührenden Theaterabend.
Uwe Evers
Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 22.12.2025, © Altmeppen Verlag GmbH & Co. KG ,
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